schlichtheit

eigentlich, sagte sich der baumeister in den frühen 1950ern, hätte er ja lieber was mit farbe und in bunt und so schön geschwungene formen wie die pflanzen und blumen da im park oder rund wie ein schneckenhaus oder was hippiemäßiges wie bei diesem durchgeknallten österreicher mit den hundert wassern oder diesem spanier mit seiner riesigen kleckerburg in bartzelohna, aber man ist ja eher protestantisch-schlichtes gewöhnt an der elbe und noch sind ja gar keine happy hippies unterwegs und bis das farbfernsehen erfunden ist, muss schwarzweiß eben reichen, so ritsch ratsch kiste fertsch.

10.12.2014

kurze notiz: gestern eine angenehme verleihung des hamburger literatur-förderpreises im literaturhaus erlebt. (nach auskunft einer jurorin ist meine bewerbung knapp am preis vorbeigerauscht.) nebenbei ein kurzes gespräch über daniel kehlmann geführt. unverständnis über seine stellung im literaturbetrieb. seine prosa ist stilistisch feinstens, dabei doch stets streberhaft. seine bücher sind kantenlos, es bleibt ein geschmack der sterilität. den figuren wird mit arroganz begegnet, meist werden sie lächerlich dargestellt, aber ohne tiefe. keine fallhöhe, kein echo. es sind artifizielle anordnungen, in stets wiedererkennbarem ton (ausnahme: der fernste ort). keine experimente, dafür manierismen und ausgestelltes weltwissen; die bücher wirken in sich selbst verliebt. im sommer 2012 hab ich sämtliche bis dahin erschienenen kehlmann-bücher gelesen. die guten: ich und kaminski; vermessung der welt. überflüssig: ruhm. uninteressant: der fernste ort; mahlers zeit; unter der sonne.