Irgendwo dazwischen

Die Wahrheit, sagte mein Lehrer drohend und würdevoll, sei nicht irgendwo da draußen zu finden, auch nicht irgendwo hier drinnen, sondern stets nur zwischen den Zeilen. Da müsse man lesen können, das sei zu üben und zu beherrschen, das sei unsere Aufgabe, dafür seien wir zuständig: zu sehen und zu finden. Ich weiß, ich kann das, ich schaff das, ich muss meinen Blick ausreichend schärfen. Unzweifelhaft, dass etwas dort ist, in kleinster und filigranster Schrift, mit ganz feinem Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet, das von weitem wie Fliegendreck aussieht und das nur mir gehört, wenn ich es finde. 

Am Fenster

Fast seit Sonnenaufgang steht meine Tochter am Fenster, schaut von links nach rechts und rechts nach links über die Wiesen, und wartet darauf, abgeholt zu werden oder Besuch zu bekommen. Sie freut sich immer so auf Besuch. Dann ist sie so aufgeregt und kann an gar nichts anderes denken. Ich hab ihr gesagt, dass heute wahrscheinlich Besuch kommt. Gegen 15 Uhr, hab ich gesagt. Und sie steht dort und zählt die vorbei kommenden Schafe. Das ist ihre Zeiteinheit. Noch 25 Schafe, sagte sie. Und: Papa, warum machst du dich nicht auch bereit. Und dabei lacht sie. Sie lacht so schön. Ich sehe es gern. Und seit dieser Sache, über die ich nicht sprechen will, viel zu selten.

Am Bäckerstand

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Handschuhe, sie trägt so weiße dünne aus Plastik. Sind eher Handtüten. Wie im Krankenhaus. Irgend eine Hygienevorschrift schreibt diese Tüten vor. Einmaltüten. Damit keine Bakterien aufs Brötchen kommen. Sonst kommt der Kunde ins Krankenhaus. Bakterien sind falsch und unnütz. Die sollen nicht aus der Tüte kommen. Wer will schon unnütze Bakterien essen. Von der Hand der Bäckersfrau in den Mund des Kunden. Ein mit Bakterien belegtes Brötchen. Mit Käsebakterien. Oder überbackene Bakterien. Völliger Käse.