damals das glück einer müden zeit

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nach der lesung von olga grjasnowas roman „gott ist nicht schüchtern“ der gedanke, zu welchen brutalen repressionen heutige regime in der lage und auch willens sind. syrien, iran, türkei, russland, auch in europa grassiert die politische brutalität, häufig nur des wortes und der haltung, aber schamlos im geiste und verachtend jede widerrede.

mir ist klar geworden, zu welch glücklicher zeit der osteuropäische umbruch von 1989 stattfand, als die regime allesamt, sowohl ideologisch als auch ökonomisch, an der ermüdung angelangt waren. die staatlichen organe und regimediener handelten unmoralisch im sinne ihrer eigenen ideologie, weil die kommunistische moral durch nichts mehr aufrecht zu halten war. dem verlust war eine ökonomische maximalkrise vorausgegangen. spezialfall jugoslawien. und weil osteuropa weltökonomisch vollkommen unbedeutend war bzw noch immer ist. es gibt schlicht keine ressurcen dort, um die sich mächte streiten wollten. 

die heutigen repressionsapparate arbeiten allesamt kapitalistisch, ausbeutend, und können so ihren dienern ein unverschämtes versprechen bieten, für das sie alle bereit sind zu töten: ein besseres leben als der rest. auch wenn die ideologische moral der regime im arsch sein sollte, die ökonomische moral ist ungebrochen und bringt stets neue regime hervor. und: sie sind alle vorbereitet. wir damals, im osten, revoltierten glücklich in einer stillen müden zeit, einer zeitgasse, einer zeitlagune des glücklichen, historischen zufalls.

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