Harte Mamasöhnchen mit Knarren

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Batman vs. Superman also, das Morgengrauen der Gerechtigkeit, wie der Untertitel verspricht. Und richtig, es ist grauenvoll. Ein bitterbös dreinblickender, total ernster und unterbelichteter (hier: finsterdüsterer) Film voller Gestampfe und Gedröhne, die Hans-Zimmer-Musik ist erschlagend und voll brachialer Gewalt, wie der gesamte Film, der Lust an feuerspritzenden Knarren hat. Ob es die SloMo-Aufnahmen der Knarre des Wayne-Mörders sind, das dauernde Rumgeballere von Luthors Schergen oder Batmans Auto oder die monströsen US Army-Kanonen, deren Rauchwolken ganz gewaltig nach Ejakulation aussehen – Hauptsache Nahaufnahme und Mehr ist Mehr. Inhaltlich aber ist nicht viel geboten, es gibt bis zum ersten Batman-Superman-Treffen nur ziemlich wahllos aneinander gereihte Szenen, aus denen sich irgendeine Story schält, die aber unter Getöse und Effekten völlig gleichgültig, spspannungsarm bis ziemlich langweilig ist. Brutale Traumsequenzen des Herrn Wayne zur Darstellung von Angst und Abscheu gegen Superman – ein dürftiger psychiologischer Ansatz, um Batmans Tötungsabsicht zu motivieren. Im Gegensatz dazu wird Luthors Abscheu überhaupt nicht mehr motiviert, nur noch behauptet: aus tiefstem Hass bringt er hunderte Leute um, aber es gibt genau gar keine Begründung für diesen von Eisenberg eher albern gespielten Hass (irgendeine Kränkung, Hybris, hat meinen Lolli gegessen?). Und die sekundenschnelle Auflösung des vorher aufwändig erzählten Hasses Batmans gegen Superman (Das ist der Name von Mami!!!!) ist so unfassbar dumm, dass man die Drehbuchschreiber ewig öffentlich auslachen sollte. Es spielt auch gar keine Rolle, warum WonderWoman überhaupt auf der Erde ist, obwohl sie ja selbst sagt, dass sie seit 100 Jahren die Menschheit meidet. Angeblich hat Luthor ihr ein digitales Foto geklaut – in Zeiten von Photoshop und Bildmanipulation natürlich voll übel. Umso dämlicher, dass Wayne an Wonder Woman die Datei und andere per Mail verschickt, ein Fest für die NSA, oder? Aber es kommt nicht auf Logik und mögliche Zeitbezüge an. Die Anfangssequenz der Kollateralschäden im Superheldengenre wird schnell wieder aufgegeben für ebenjenes Genre. Der Film ist überernst und lächerlich in seiner brachialen donnernden dröhnenden Jungsphantasie: hauen, rumballern, böse gucken. Zudem fehlt nicht der absolute Klischee-Russe, der sich über und über mit russischen Symbolen tätowiert hat, das Wappen für alle sichtbar am Hals trägt als Inbegriff für besonders fiese Boshaftigkeit – und für einen amerikanischen Großindustriellen als Auftragskiller arbeitet? Aber selbstverständlich. Genauso die permanente Gottesthematik im Film, religiös klingende Chormusik, natürlich monströs laut, es geht um Gott und Teufel – als seien wir im Exorzismusseminar gelandet (Buh, ich erschreck dich gleich nochmal!) oder im Religionsunterricht für Arme: Es gibt die Guten, es gibt die Bösen, und die Guten erkennen sich manchmal nicht, und die Bösen mögen sie nicht, fertig. Was ist das Thema des Films? Ich vermute: Krasse Wummen und tiefer werdende Stirnesfalten. Und ansonsten Männer mit Vaterkomplex (Lex Luthor), Mutterkomplex (Superman) und Elternkomplex (Bruce Wayne). Und am liebsten wären sie einfach nur auf Mutters Schoß und wollen gestreichelt werden. Mami!!!!

Blockbusterkino ist als Kino inzwischen nur noch ein Vehikel für die riesige Industrie, die sich um den Film gruppiert bzw diesen als Anlass nimmt, Millionen sinnlose Produkte unters Fanvolk zu pumpen. DVDs und Bluerays in dutzenden unterschiedlichen Ausstattungen inkl. anderer Filmfassungen und irgendwelchem Nippes sind dazu nur das Offensichtliche. Es geht bei Zack Snyders Film nur sehr wenig um den Film an sich, also gar nicht um Aspekte des Mediums Film, um künstlerische Belange und Geschichten, das ist nirgendwo beliebiger als im Superheldenmovie, weil es ja sowieso um vorrangig optische Aspekte geht. Dreimal zeigt Snyder die Ermordung von Martha Wayne, hauptsächlich deshalb, weils gut aussieht. Optische Schönheit und dann natürlich die Einspielergebnisse. Wieviel Kohle bringt der Mist. In diesem Sinn ist Batman vs. Superman ein grundehrlicher Film, weil er inhaltlich völlig nebensächlich Schauwerte und Effekte aneinanderreiht, um daraus ganz konkretes Kapital zu schlagen. Mehr ist mehr. Eine Art Kino, die sich noch lange nicht erschöpft haben wird.

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