begegnung, 25 jahre später

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um die zeit meines geburtstages 1991 war ich, ein neuntklässler in vorbereitung auf die im jungen bundesland thüringen neu eingeführte gymnasialphase, mit den klassischen themen der pubertät voll ausgelastet. erste liebesversuche, beginn der selbstfindung durch grenzüberschreitungen, identitätsstiftung durch musikgeschmack, kleidung, freundschaftsbande, formung intellektueller koordinaten. der wechsel vom orchester- und quartett-bratscher zum laiendarsteller im jugendtheater bahnte sich an. der zukunftshorizont war unscharf mit schulabschluss definiert. das land, in dem ich mich bewegte, war erst vor wenigen monaten entstanden, hatte dafür umbrüche und veränderungen erfahren, die sich intensiv auf meine biografie auswirkten (ohne, dass mir die auswirkungen zu diesem zeitpunkt tatsächlich absehbar waren) – mit ausnahme des ersten irakkriegs war meine weltvorstellung stark limitiert. dass also zum zeitpunkt, an dem ich geschenke entgegennahm, die ich heute nicht mehr erinnere, im syrischen aleppo ein junge geboren wird, mit dem ich 25 jahre später 6 monate meiner lebenszeit in hamburg teile, als dozent und kursteilnehmer, zusammengeführt durch entscheidungen und entwicklungen, über die wir in den meisten fällen keine kontrolle hatten, lag damals jenseits meiner vorstellungskraft – und seiner bis vor wenigen jahren ebenfalls. die frage, die unbeantwortet bleibt, ist: welchen einfluss hätte die information über diese begegnung gehabt, wenn sie mir damals vorgelegen hätte? man kann sich selbst beim handeln nur rückwirkend betrachten. der handelnde ist immer gewissenlos, es hat niemand gewissen als der betrachter.

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