später mal

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immer wieder sehe ich menschen mit down syndrom in der stadt, im bus, in der bahn, manchmal mit begleitung, oft auch ganz für sich. so wie gestern in der s-bahn. der mann gähnte herzhaft und fuhr sich müde durch die haare und stieg in altona aus. und ich sah meinen wunderbaren sohn anatol dort sitzen und fragte mich, was er machen wird, wenn er 15 ist oder 20 oder 40. wenn ich eines tages nicht mehr da bin. was wird er tun, wie wird er leben, wird er auch in der bahn sitzen, müde aber selbstbewusst, wird er glücklich sein, wird er freunde haben, die ihn als mensch lieben und nicht aus sozialer verpflichtung für einen behinderten, wird er eine familie haben, kinder, arbeit, wohnung – wird er so leben, wie er es möchte? fragen, die für seine schwester liljana ganz genauso gelten, doch bei ihr ist es etwas leichter, sich das vorzustellen. bei anatol wird es schon in zwei jahren problematisch, wenn er in die schule kommt, er darf nämlich auf die meisten nicht, weil er ja DS hat. und damit wird er als behinderung wahrgenommen, nicht mehr als mensch mit persönlichkeit. das geschieht auch jetzt schon oft genug, doch diese fixierung wird zunehmen und wir werden so viel wie möglich tun, dass er da durchkommt und dennoch einigermaßen selbstbestimmt aufwachsen und leben kann. damit ich ihn dann eines tages in der bahn treffen kann, auf dem weg zur bandprobe oder seinem sportverein, und dann zeigt er mit dem finger auf mich und strahlt seine tolja-freude durch den Zug und dann drücken wir uns ganz fest und verpassen es auszusteigen an seiner station. oder?

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