06.01.2015

Categories Kunst, Landschaft0 Comments

das seltsame ist ja, wenn man sich für die freie zeit etwas vornimmt, kommt ganz sicher von irgendwo ein anruf und man springt für erkrankte kollegen ein. soviel zur lyrik.

es ist auch weiterhin pegida-zeit im lande. aggressiv, kleingeistig und zutiefst rassistisch intervenieren auch 2015 wieder tausende gegen eine komplexe gegenwart in zentraleuropa und definieren den politischen diskurs. wie auf die sächsischen trolle reagieren? im journalistischen bereich scheint sich eine lösung durchzusetzen: abwehr durch ironie. im politischen lager reicht das spektrum von vehementer ablehnung (von links bis zur kanzlerin) zu vehementer hinwendung (afd und regierungskoalitionsmitglied csu) und der suche nach verständnis für rassistische denkmuster. dass dies ein irrweg ist, der (antiislamischen) rassismus als hegemoniale parole weißer europäer stärken und bestätigen wird, weil er im verständnis nachvollziehbar und somit auch legitimiert wird, leuchtet offenbar noch immer nicht allen ein. nur wenige haben sich bislang die mühe gemacht, den sächsischen politischen boden zu untersuchen, auf dem pegida wachsen konnte – um damit ein verständnis zu entwickeln nicht für den in dresden gefeierten bürgerlichen rassismus, sondern für den kontext, der diesen rassismus überhaupt erst ermöglicht und zulässt. ein baustein: die extremismustheorie.

und auf künstlerischer seite? zieht der französische autor michel houellebecq mit seinem neuen romanunterwerfung“ alle aufmerksamkeit auf sich – in frankreich interessanterweise vorrangig im politik-ressort. als antwort auf entwicklungen einer gesellschaft, die ökonomisch und politisch vorrangig auf wettbewerb und konkurrenz ausgerichtet ist statt auf soziale bedürfnisse und gemeinwohl, ist der roman jedoch untauglich. künstlerisch wählt houellebecq den weg des skandals, den er selbst vorbereitet hat: es geht offenbar weniger um analyse des gegenwärtigen (der roman spielt in naher zukunft), sondern um die pure lust am schreckensszenario, angereichert mit allerhand klischees. ein ganz ähnliches setting verfolgte damals der erste große thesenroman „elementarteilchen“, der ein gesellschaftliches versagen konstatierte und der sexuellen revolution von 1968 schuldhaft anlastete. auch hier spielte das voyeuristische am scheitern der figuren und die lust am horror des sexuellen eine zentrale rolle. insofern ist houellebecqs provokationsliteratur autoerotisch und funktioniert wie ein hollywood-film: sie liebt sich ganz selbst und ihre effekte. damit entwickelt houellebecq ein genre weiter, dass man bisher von autoren wie frank schätzing oder dan brown kannte: die blockbuster-literatur.

nun denn, wenns weiter nichts ist.

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