05.01.2015

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das neue jahr beginnt mit lyrik. von büchergutscheinen habe ich heute drei lyrik-bände von autorinnen gekauft, die ich bislang nicht gelesen habe, aber die schon einige zeit auf der liste standen. silke scheuermann „skizze vom gras“, katharina hacker „überlandleitung“ und judith zander „manual numerale“. gemeinsam mit lydia daher „insgesamt so, diese welt“ bilden die bücher meinen kompass der kommenden tage: ich habe zwei wochen frei genommen zum arbeiten, was für ein herrliches oxymoron (es zeugt von tief inhalierter preußischer leistungsmoral, pfui). seis drum. vor einem jahr lief ich mit serhij zhadans einzigem auf deutsch erschienenen gedichtband „geschichte der kultur zu anfang des jahrhunderts“ herum und war begeistert. seither stand der plan im raum, wieder mehr gedichte zu lesen. und zu schreiben. lyrik kann eine welt erzählen, wie es prosa nicht möglich ist. minimale beobachtungen, assoziative verschränkungen, das universum in der nussschale. oder, wie im ersten gedicht der „überlandleitung“ großartig illustriert, die salzkörner in den fugen zwischen den pflastersteinen. es sind, nach dem ersten blick in die bücher, ganz wunderbare momente, die dort warten. auch wenn mir das titelgedicht von scheuermanns preisgekröntem band zu kulturpessimistisch ist. wandelt es doch die altbekannte, indianische weissagung „erst wenn der letzte baum gerodet….“ ab, und die umwelt, trotz oder wegen ministerieller aufsicht, ist so gut wie verschwunden. diese lyrik ist von allen vier bänden am narrativsten, weniger verweilend als die anderen. vor judith zander hatte ich bislang die meisten zweifel: mit den meisten veröffentlichungen von absolventen aus literaturinstituten hatte ich bislang probleme. im november war ich auf einer lesung von lisa kreißler, als sie ihren roman „blitzbirke“ vorstellte. das war alles gut geradeaus erzählt, allerdings ohne jede form von charisma. ich hatte den eindruck, mitten in der literaturdebatte vom vergangenen februar zu sein und kesslers thesen bestätigt zu sehen. auch mit saša stanišićs erstem roman konnte ich überraschenderweise wenig anfangen, was mich bis heute nicht in ruhe lässt. und die in der edit und bellatriste abgedruckten texte lassen mich eigentlich immer recht kalt. das ist so ein bisschen der juli-zeh-effekt: es steckt viel theorie drin und beim lesen soll man auch was zum grübeln haben. aber das ist nicht mein begriff von literatur. da sind mir gedichte wesentlich lieber. und zanders gedichte sind erfreulicherweise ohne vordergründige, prätenziöse bedeutungsblähung. das jahr beginnt gut.

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