18.06.2014

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allabend angehender autoren, aufgefunden bei alexander posch „sie nennen es nichtstun“, s.85:

„Du sitzt wieder nur rum und tust nichts“, sagt meine Frau, als sie abends nach Hause kommt und ich wie üblich am Schreibtisch sitze. „Dabei ist so viel zu tun, in dieser Welt. Wäsche bügeln. Staubwischen. Wir leben in dieser Welt.“
„Während die andere Welt noch gar nicht existiert“, antworte ich. „Lass mich jetzt bitte in Ruhe. Ich muss schreiben.“
Sobald meine Frau zur Tür raus ist, öffne ich eine Flasche Bier. Man muss erst ein wenig trunken sein, bevor die Worte kommen. Das, was man die eigene Sprache nennt. Die Russen sagen, der Betrunkene im Nebel schaut Gott. Ich beschleunige das immer mit ein bis zwei Bieren, weil ich wegen der Kinder und dem richtigen Leben eigentlich überhaupt keine Zeit habe zu schreiben. Aber das heißt nicht, dass das Blatt sich füllt. Häufig bin ich dann nur betrunken und lege mich ins Bett. Und meine Frau? Schimpft natürlich wieder mit mir. Aber dann ist es nicht mehr so schlimm, das Geschimpfe.

ach ja, die welt und ihre tricks, hindernisse und ausreden in den weg zu stellen. diese hinterhältigkeit, auf die man so gern reinfällt. normalerweise halte ich es nicht so mit dem realismus, und ich bin geneigt, poschs beschreibung als teil einer großen, ewigen glosse auf das dilettantentum zu lesen. und doch ist es unterhaltsam, sich ein bisschen ertappt zu fühlen, weil auch ich kein hochkonzentrierter und leidenschaftlicher arbeiter bin. wie übrigens niemand, den ich kenne. mag sein, dass das ein teil des problems ist.

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