22. Januar 2014

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Die Reaktionen auf den Eintrag von vorgestern haben in mir, für mich, eine ganze Reihe Fragen hervorgebracht. Nicht, weil die Reaktionen besonders positiv oder negativ gewesen wären, sondern viel mehr, warum ich mich eigentlich jetzt zu diesem Thema auf diese Weise an einer breiteren Debatte beteilige. Immerhin bin ich seit September 2013 in Hamburg und habe seither selbstverständlich politische, kulturelle, gesellschaftliche Debatten und Entwicklungen in der Stadt und im Land mitverfolgt. Allerdings habe ich mich dazu, etwa zu den Ereignissen um die Rote Flora oder zum Gefahrengebiet, aber auch zur ekelhaften Migrationsdebatte der CSU, nicht weiter verhalten. Zumindest nicht hier, ausführlich, schriftlich. Warum also jetzt zu einem eigentlich scheinbar unbedeutenden Thema? Warum nicht zu Markus Lanz, der momentan reichlich Prügel aushalten muss? Warum nicht zu (Artikeln hiesiger Medien über) Entwicklungen in Russland oder, ganz aktuell, zu den blutigen Protesten in der Ukraine?

Offenbar habe ich mit einer Zurückhaltung gelebt, eigene Kommentare zu aktuellen Ereignissen nicht weiter formulieren zu müssen. Die Beteiligung an den Debatten erschien mir durch das Verfolgen verschiedener Medien, in Gesprächen mit Jenny zu Hause oder mit Freunden online als vollkommen ausreichend. Und im Rahmen des Irkutskblogs gab es wenig Raum für Kommentare zu tagesaktuellen Themen, auch wenn sie gelegentlich mit einflossen, etwa um die Zeit der Duma-Wahlen im Dezember 2011. Warum also jetzt dieser Sinneswandel. Ein wenig ironisch könnte man meinen, die Engelmann habe mich doch gekriegt, ihr Aufruf habe gewirkt. Dabei ist es das keineswegs, sondern vielmehr klare Notwendigkeit, begründet in der Form dieses Blogs als Arbeitsjournal. Ich muss mir das einmal klarmachen.

Das Journal dient als Notizheft, das meine eigenen Arbeiten in ihrer Entwicklung begleitet. Tatsächlich ist es ein Tagebuch meiner eigenen Entwicklung, in der das Verfassen von Geschichten nur ein Teil darstellt. Und dies war bislang auch genau meine Zurückhaltung, ein paar Geschichten und alles andere bleibt ungesagt. Dabei habe ich vor 7 Jahren, in Osijek, bereits etwas ganz ähnliches erzählen wollen: Eine Geschichte aus Slawonien, umgeben von kleinen Episoden aus der slawonischen, kroatischen, jugoslawischen Gegenwart, Geschichte, Zukunft. Denn alle diese kleinen Episoden hinterlassen ihre Abdrücke in den Figuren und sie handeln, wie sie handeln, vor dem Hintergrund dieser (und noch unendlich mehr gleichartiger) Geschehnisse. Ich wollte sozusagen die psychologische Recherche der Charaktere, ihre eigene Chronik der Gefühle, miterzählen.

Und genau das ist die Form des Arbeitsjournals, des Tagebuches. Ich halte es für notwendig, meine eigene Chronik entsprechend zu formulieren.

1 thought on “22. Januar 2014

  1. Ich bin eben über deinen Engelmann-Eintrag bei jetzt.de hierher gekommen. Ich mochte deinen Text, wenn er meines Erachtens auch etwas knapper sein könnte. Ich mag auch manches was ich hier lese, insgesamt ist es mir jetzt aber zu viel und zu persönlich. Ich kenne die Mühen um Anerkennung als Schriftsteller, wenn ich auch mittlerweile ein Etappenziel erreicht habe. Vielleicht verstehen wir uns ja und tauschen uns hier oder da ein wenig aus.
    Gruß * Konrad

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