23. Oktober 2013

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Gestern habe ich mich einmal daran gesetzt zu ordnen, welche Geschichten in die Kollektion der „Sibirischen Geschichten“ gehören sollen und welche in andere Kontexte besser passen. Von den elf Texten, die ich darin aufgenommen habe, ist gleich als erstes der alte Jäger und der Wald weggefallen. Diese Geschichte geht ganz andere Wege, als den sibirischen Realismus der anderen Geschichten. Der Jäger, der auf der Jagd erfrieren wird, ist eine Geschichte mit Hemingway-Hintergrund. Ich bin durchaus dafür, sich seine Vorbilder nicht zu klein zu wählen, die Trauben hängen schön hoch und die Fallhöhe ist gewaltig, aber warum sollte man keine Freude beim Versuchen und Scheitern empfinden? (Aus der Reihe: Fragen wir Sysiphos.)

Statt dessen habe ich mir den Lumpenroman von Bolano vorgenommen und möchte ihn ein bisschen remixen. Überhaupt ist das remixen und resamplen von Literatur eine interessante Sache, die man noch zu selten versucht. Im Film wird das allenthalben gemacht, Remakes asiatischer Stoffe im amerikanischen Kontext (Die glorreichen 7, Kill Bill) haben das Kino neu definiert. Die Musik lebt von Samples und Versatzstücken anderer Künstler, genauso wie das Internet. Und die russische Literatur scheint mir eine der wenigen zu sein, die so konsequent sampelt und remixt und Bezug nimmt auf ihre Vorgänger, dass es mich wundert, wieso die deutsche Literatur derart bieder mit ihren Säulenheiligen umgeht, nämlich gar nicht. Den Lumpenroman hergenommen und ihn nach Sibirien verpflanzt, schon entsteht eine neue Geschichte. Und dem stülpt man dann noch das Märchengeschirr über – und mal sehen, wohin wir darauf reiten. Oder ob wie untergehen. Wahrscheinlich letzteres, das ist eh unterhaltsamer.

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